BOA reboot – RR, Korotkow und Co.

Ein alltagsträger, oberärztlicher Blick schweift über die müde Meute coffeingesättigter Klein- und Kleinstanästhesisten. Zukünftige Fachärzte für Leichtnakosen und Sprachsedation. Einer kritzelt dienstbeflissen RR 110/60, HF 64 auf ein Blatt Papier. “Und, Kollege?” fragt der Oberarzt “RR heisst was?”… ‘Ja, Blutdruck halt…’ Dumpf tönt unter sanftem Gewimmer der repetitive Schlag der oberärztlichen Stirne auf dem Holz des Tisches vor ihm…

RR steht für Riva-Rocci. Scipione Riva-Rocci war ein italienischer Kinderarzt, der uns das Messen des systolischen Blutdrucks durch Tasten des Radialispulses und Aufpumpen einer Oberarmmanschette bescherte. Ist der Druck hoch genug, erlischt der Puls und wir schreiben den gemessenen Wert als systolischen Blutdruck auf. Da Herr RR Quecksilber als Steigrohr nutzte schreiben wir mmHg. RR 110/60 ist also genaugenommen falsch, denn die Diastole kannte man damals in Rapallo nicht.

Stethoskop und Diastole kommen also andernorts her, nämlich aus Russland. Dort fielen dem russischen Chirurgen Nikolai Sergejewitsch Korotkow (1874-1920) Strömungsgeräusche in wechselnd komprimierten Gefässen beim Ablassen einer Oberarmmanschette auf und zwar nun ab Systole und bis zur Diastole. Diese auf Turbulenzen in besagten durchströmten und komprimierten Gefässen zurückzuführenden Geräusche heissen dann nach ihm auch Korotkow-Geräusche und werden heute wie damals mit Manschetten erzeugt und mit Stethoskopen gehört.

Turbulenz gibts also, wenn die durch Kompression abgedrückte Arterie dank systolischem Druck wieder beginnt, durchflossen zu werden (Aufpumpen -langsam ablassen) bis der äussere Druck der Manschette so niedrig ist, dass die diastolischen Drücke der Kompression trotzen und das Gefäss wieder frei durchflossen wird.

Korotkow hat 5 Stadien beschrieben… tun wir mal eben nicht.

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