Warum eigentlich…

…gibt es kein allgemeines System der Bewertung von unten nach oben, in dem die Assistenten anonym ihre Weiterbildner nach festen Kriterien beurteilen? Man könnte angesichts von Eigenerfahrung und Fremdbeobachtung ja auf den Gedanken verfallen, mancher scheue die Qualitätskriterien und die Beurteilung der (a)sozialen Umgangsformen. Bei all dem benchmarking und den Prozessparametern, der Optimierung in allen Bereichen, wäre die Qualität der Lehre, sozusagen das Wissen an seinem Ursprung, nicht ein Mass für die Qualität einer Ausbildungsstätte? Was könnte man da nicht für tolle Quotienten bestimmen und Zufriedenheitsskalen, was könnte man an optimiertem Wissenstransfer zu aller Gewinn leisten, aber am Ende kämen ja auch Ausscheiderzahlen oder gar Kritik an den Stellen an, die ihre Positionen aus der alleinigen Veranlassung heraus bekleiden, von genau dem Thematiken inhaltlich möglichst fern zu bleiben, für deren Verwaltung und ggf. Lösung sie ursprünglich einmal eingestellt worden waren. Denn man vergisst leicht, anno 2022 steht das CA auch nur in der Zeile ‚Stellenbeschreibung‘ und bei gleichem Gehalt ist die Bewahrung des Status quo immer einfacher als der Weg ad astra – immerhin ist der Quotient aus Einsatz und Ertrag ein Tool wirtschaftlicher Effektivitätsmessung. Nenne ich mich nun aber Ausbildungsstelle, muss ich da nicht auch ein Mass für die Qualität dieser Leistung liefern? Aber nicht doch, in den Köpfen ist der Assistent ja in der alleinigen Bringschuld, dieser ach so faule – man gendere hier nach Belieben. Vielleicht würde es sich lohnen, gelegentlich einmal genauer hinzuschauen, ob die faulen Äpfel nicht ganz oben auf dem Haufen liegen und mit ihrer kleingeistigen Herablassung und einer künstlichen Autorität die aggressiv verteidigt werden muss, statt einfach fachlich und menschlich betechtigt zu sein, Generation für Generation in genau die Art von pervertiertem Verhalten prügeln, das weder Patienten noch Ärzten und am wenigsten dem Unternehmen dient, dem die jungen Mitarbeiter davonlaufen. Vielleicht wäre ein geeigneteres Mass für einen Weiterbildner auch nicht die Zahl an Impactpunkten und Publikationen, sondern wie in manchen angelsächsischen Ländern ein gerütteltes, teils universitär erworbenes Mass an Personalmanagement- und Interaktionskompetenz in Kombination mit jahrzehntelanger frontline clinician experience. Absurd – vielleicht gehörten dazu auch die viel beschworenen und oft gerade in der dünnen Luft der Führungsetagen so sehr vermissten soft skills. Aber das wäre ja wieder zynisch und ketzerisch und fragt man die Gremien ärztlicher Selbstverwaltung, in denen einflussreiche Honoratioren einschlägiger Kreise sitzen, gibt es ja auch keinen Bedarf an derlei Regularien. Und man denkt dann an die sich nun wieder im Herbst in den Bäumen sammelnden Krähen, die sich ja – eine der anderen – kein Auge aushacken, während unten die Assistenten mit den Füssen abstimmen, in die Wirtschaft, ins Ausland, Hauptsache weg.

Das Monster übrigens, das mich in den ersten Jahren regelhaft wie viele andere vor und nach mir aus rein perverser Lust brüllend kleingemacht hat, ist relativ frisch berentet. Unbehelligt hat sie jahrzehntelang ihr sadistisches Spiel gespielt und jeder hat zugekuckt. Nun Susanne, ich hoffe das Fegefeuer hält ein besonders warmes und andauerndes Plätzchen für dich bereit. Man darf aber auch den Gedanken erwähnen, dass die Strukturen, die so etwas zulassen mehr als fragwürdig sind. Führungsschwäche zeigt sich eben auch by proxy, wenn man sich harmlos lächelnd einen solchen Kettenhund für die Drecksarbeit hält und dann so tut, als sei das alles ein Hirngespinnst überempfindlicher Assistent*Innengehirne. Witzig wie sich auch hier einmal mehr die im deutschsprachigen Raum so beliebte Täter-Opfer-Umkehr findet. They had it coming. Klar.

In diesem Sinne und im Gedenken an vergangene Stellen noch ein netter Artikel der Porsche Consulting, der für sich alleine spricht. Schönen Abend.

3 Kommentare

  1. Danke Michel, das ist alles wahr, wenn auch bitter.

    Lasse die Bitterkeit dein Leben nicht beschmutzen. Dein Blog zeigt dein Engagement und den Versuch es richtig zu machen und wird deshalb von mir geschätzt und empfohlen. Gerade auch an junge Assistenten, und neben der Medizin auch wegen deiner anderen Überlegungen.

    Mein Therapeut hat mich da auf die Verbitterungsstörung verwiesen, die zu einem Teufelskreis nach unten führt. Auch wenn es nicht das einzelne Ereignis wie bei einer posttraumatisch Verbitterungsstörung ist, sondern die hohe Anzahl an Verletzungen die wir in den Jahren der Knechtschaft erfahren.

    Darum diese Erwiederungen zur Diskussion:

    Chefärzte und Oberärzte haben auch Chefs, denen geht es wahrscheinlich nicht besser. Es bleiben aber natürlich nur die, die hartleibig und gewissenloss sind. Peterprinzip, glaube ich, nennt man das, am Punkt der Inkompetenz. Ich habe einige Gute ge(hen)-sehen, erinnern wir uns auch an die, die es gut machten.

    Führung zu machen ist nicht einfach und anstrengend, ich bin daran gescheitert. Wer wie Sokrates weiß das er nichts weiß, ist der klügste der Griechen. Unterstützen wir die, die es im guten Versuchen, auch wenn sie scheitern. Vielleicht können wir ihnen aufhelfen.

    Eine institutionalisierte Bewertung wird sicher nie gerecht sein. QM ist Schwachsinn. Auswertungen nur so gut, wie der der fragt. Qualität ist das was man aus Überzeugung macht und kann nicht übergestülpt werden. Ich würde es lieber sinnvoll in Kommunikationsmanagement umbenennen. Wie sorge ich dafür das alle das gleiche Wissen, Absprachen kommuniziert und erklärt werden, Erfahrungen weitergegeben werden, Fehler bearbeitet werden und Entscheidungen und Richtung gezeigt werden, von oben nach unten und umgedreht. Und für alle, auch die im Nachtdienst. Das würde ich als Führungsarbeit vorne anstellen und nicht den Master of Excelenz, was heute, so denn es überhaupt versucht wird rational zu sein und nicht Vitamin B führt, die Auswahl der Aufsteiger bedingt. Chefarzt = Kommunikator. Vielleicht wäre eine Rotation oder die Chefarzt Wahl in größeren Abteilungen, durch Mitarbeiter, alle 5 Jahre, eine Lösung. Würde aber wieder die Macht der Hierarchie einschränken. Und Unsicherheit mag keiner.

    Ein einfaches Malussystem könnte ich mir vorstellen, wenn bei Einsatz von Honorarärzten, oder geschlossenen Intensibetten und OP Säulen den Chefärzten was von der Privatliquidation abgezogen wird und der Pool der Oberärzte (so noch vorhanden) kleiner würde. Aber Montaigne schlägt auch ein Bonus System vor, für überdurchschnittliche Leistung. Fällt mir nichts zu ein (sic).

    Das Fegefeuer und die Verdammnis überlasse den Göttern, sie mögen gerecht urteilen. Opfere ihnen ein Trankopfer. Gerechtigkeit ist eine schwere Tugend, die ich nicht beherrsche. Nur der Sophos (Weise) schaft die Tugend, der Philosoph strebt sie nur an. Schon den Finger in die Wunde legen kann zum trinken des Schierlingsbechers führen, versuche es trotzdem weiter.

    Ich bin froh heute in der Lage zu sein zu wechseln, 1999 war ich noch abhängiger als Nichts (Nichtfacharzt) von den Abteilungs Führern. Ärzteschwemme damals. Nur kein Haus kaufen, und Kinder in die Schule schicken. Mit den Füßen abstimmen ist doch ok.

    Bleibe dir treu, suche ein Ventil, verbittere nicht. Nicht das du agressiv wirst, wie mir passiert. Unser Job hat Sinn, suchen wir den Weg der Besserung, auch wenn das Ziel nie zu erreichen ist.

    Danke für Engagement.

    Der Feld Wald Wiesen Anästhesist.
    Unfehlbar fehlbar.
    Immer noch auf der Suche nach dem Hort der Glückseligkeit.
    Heute hier, morgen dort.
    Kaum gefunden, schon verschwunden.

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