Ein… zwei Sätze…

Ich hatte die schöne Gelegenheit ein gutes kollegiales Gespräch mit einem universitären Kollegen aus dem Süden der Republik zu führen… unabhängig von Ziel, Inhalt und Besetzung des Gespräches nur zwei, drei Zitate daraus, die mir hängengeblieben sind…

„Wenn ein Vorgesetzter oder Chef einen Mitarbeiter vor anderen runterputzt handelt er doch mehr als fragwürdig.“

„Ist das nicht ein Zeichen von mangelnder Leitungskompetenz, wenn deine Assistenten grundlegende Inhalte nicht vermittelt bekommen oder die Notwendigkeit sie sich gezielt anzulernen in Momenten bewusst wird, wo man sie bereits wissen muss? So nach dem Motto: ‚Man weiss halt nicht, was man nicht weiss‘. Führung zu den relevanten Inhalten täte da not… Rumbrüllen und Kleinmachen, am besten noch vor Publikum offenbart da vielleicht noch ein, zwei weitere menschliche Defizite…“

„Wie soll jemand, der gelernt hat, die eigene Verletzlichkeit und Bedürftigkeit aus Angst vor Blossstellung und Herabwürdigung zu verstecken, genau diese Eigenschaften am Patienten noch wertschätzen können? Scham und Angst machen Empathie und Fürsorge doch fast unmöglich und da wo ich den Hass, die Abwertung und die Wut meiner Vorgesetzten internalisiert hab, wo ich gelernt habe, dass um etwas bitten und Hilfe suchen etwas schlechtes ist, da erleb ich den Patienten leicht mal als Projektionsfläche dieses Selbsthasses, oder? Wie kann der bedürftig sein, wo ich es doch nicht sein darf.“

„Im Genfer Gelöbnis steht die Achtung der Autonomie deiner Patienten… machst du das? Ich meine vor allem dann, wenn sie nicht tun, was du willst oder sagst… geht das wirklich ohne Wut vorbei. Ich verstehe dass Hierarchien vielleicht im Notfall wichtig sind, aber die Zeiten des Arztdiktats sollten vorbei sein. – Was denkst du über das beratende und partnerschaftliche in deinem Arztsein?“

‚Echte Autorität entsteht nicht durch Aggression, Zwang und Abwertung, sondern durch Wissen, Authentizität, Innere Stärke, Ruhe, Lesbarkeit und Verlässlichkeit.‘

‚Titelsammlung und Kittel sind selten Garanten dafür, dass jemand ein guter Arzt, noch weniger ein Mensch ist.‘

Lassen wir’s einfach einmal so stehen. Merci D. 😉

3 Kommentare

  1. Michel, ich gebe dir voll und ganz recht.

    Doch bevor die getroffenen Hunde um sich beißen, was sie sehr gerne tun (siehe deinen Beitrag):

    Chefarzt und Oberarzt wird man nicht weil man so ein toller Hecht ist, sondern es ist ein Auftrag, den man bezahlt bekommt: den Laden gut zu organisieren, die Qualität kontinuierlich zu verbessern, auch auf den Effektivität zu achten um Verluste zu vermeiden und natürlich alle Assistenten inklusive Pflege und Fachärzte zu führen und weiter zu qualifizieren.

    Ein echt dickes, dickes Brett, das nicht jeder bearbeiten kann .

    Ich bin 2 x an meinen eigenen Ansprüchen gescheitert und wieder ins Glied zurück getreten.

    Aber allen die sagen sie hätten dafür nicht die benötigten Ressourcen kann ich nur antworten: Warum machst du dann weiter? Stelle dich auf die Hinterbeine und sorge für die Ressourcen. Oder immst du das Geld betrügerich? Oder als Gehalt eines Sündenbocks? Oder bringst du es selber nicht?

    Leider gibt es auch noch die Überheblichen, die extrem von sich überzeugt sind und die immer die Schuld bei den anderen oder im System sehen (das sicher auch nicht gut ist, Politiker und Standesvertreter sind aus dem selben Holz geschnitzt wie Ärzte).

    Ich will auch nicht das alles von Anfang an perfekt ist. Aber kontinuierlich Veränderung in die Richtige Richtung sollte erkennbar sein, und ich bin schon zufrieden. Es darf einfach nicht so schlecht bleiben wie es ist, etwas geht immer.

    Nur wenige Male in meiner wechselhaften Erwerbsbiographie habe ich gute Führung erfahren.

    Stefan
    der Feld, Wald und Wiesen Anästhesist

    • Was für ein wahrer Kommentar. Dem Anästhesisten, der das veröffentlicht hat, gehört meine Bewunderung und vor allem Respekt, weil er seine eigenen Grenzen erkannt und die Konsequenzen daraus gezogen hat. Und weil er das hier zugegeben hat.

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