Cavakompressionssyndrom [incl. pdf]

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Michel

Neben despektierlichen Bemerkungen zum strampelig Käferhaften, beinhaltet die flache Rückenlage für Schwangere gegenüber vernachlässigbaren narzistischen Kränkungen ein recht reales pathophysiologisches Problem: die Kompression der grossen Gefässe durch den schwangeren Uterus – gemeinhin als Cava-Kompressionssyndrom oder aortokavales Kompressionssyndrom bezeichnet. Was passiert hier? Der Uterus komprimiert v.a. die Cava inferior, der Rückfluss zum Herzen wird reduziert, es kommt also akut zum Vorlastabfall. Weniger Vorlast heisst weniger Füllung und verfügbares Schlagvolumen, heisst weniger Vordehnung (Frank-Starling, Freunde!), heisst weniger Inotropie, ergo fällt akut das Herzzeitvolumen und die Muddi sieht bestenfalls nur Sternchen. Problematisch wird es aber, wenn es darunter zu relevantem Pumpversagen und embryonaler Hypoxie durch den Blutdruckabfall kommt. Mutter und Kind sind also gleichsam gefährdet.

Querschnitt mit Blick von kaudal, Cavakompression und 30° Seitlagerung mit relativer Entlastung

Nun ist es klinischer Usus, die Patientinnen (übrigens grundsätzlich etwa ab der 16. SSW) zur Sectio in 15° Linksseitenlage zu bringen oder manuell den graviden, bzw. gravitativen Bauch nach links zu drücken um die Gefässe zu entlasten. Aber reicht das oder ist das gar zu viel Gewinkle?

Eine Antwort liefern: Higuchi H, Takagi S, Zhang K et al. – Effect of Lateral Tilt Angle on the Volume of the Abdominal Aorta and Inferior Vena Cava in Pregnant and Nonpregnant Women Determined by Magnetic Resonance Imaging. Anesthisiology 2015; 122; 286-293

10 Schwangere und 10 Nichtschwangere hat man da in Rückenlage und 15°/30°/45° Seitlagerung durch’s MRT geschickt und die jeweilige Kompression von Aorta und Cava inferior bestimmt. Nun kommt man zu dem Schluss, dass sich die Aortenkompression in Abhängigkeit von der Lagerung kaum verändert, dass aber sehr wohl eine signifikante Cavakompression stattfindet, dass diese aber erst ab einem Lagerungswinkel von etwa 30° relevant abnimmt – wir lagern also in der Regel unsere Patientinnen gerade unter den hämodynamischen Veränderungen der Spinalanästhesie, die ja das Verfahren der Wahl für die Sectio ist, zu flach!

  • Ergo
    • Cavakompressionssyndrom Kreislaufdepression durch kompressionsbedingten Vorlastverlust
    • ab ca.16. SSW bis zur Entbindung
    • Prophylaxe & Akuttherape: 30° Linksseitenlage (oder z.B. unter REA Bauch nach links drücken)

Gern zitiert wird auch die Arbeitsgruppe um Lee (Lee SW, Khaw KS, Ngan Kee WD, Leung TY, Critchley LA. Haemodynamic effects from aortocaval compression at different angles of lateral tilt in non-labouring term pregnant women. Br J Anaesth. 2012 Dec;109(6):950-6.): Hier wurden 157 Schwangere in 0°/7.5°/15° und voller Linksseitenlage mit dem Doppler hinsichtlich Cardiac Output, Schlagvolumen und peripherem Widerstand untersucht und tadda: >/= 15° hat im Schnitt 5% mehr Auswurf zur Folge. Dreht die Mama auf die Seite!

PS: Die Aorta scheint im Wesentlichen unbeeindruckt vom üblichen Uterusgewicht ergo ist Cavakompressionssyndrom richtiger und zumindest theoretisch ist ein ausreichender Anteil an zusätzlichem intraabdominellen Fett auch ein möglicher Kompressionspartner, ergo ist auch ein Patient mit Adipositas permagna potentiell von einer Cavakompression gefährdet, auch wenn sicher eher Atelektasenbildung und verminderte Compliance im Vordergrund stehen.

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