Basics – Esmarch, Sellick und Co.

BoA ist Edutainment, kein Lehrbuch! BoA dient der Unterhaltung und Information und keinesfall als Anleitung für medizinisches Handeln, weder von Laien noch von medizinischem Fachpersonal. Die Grundlage medizinischen Handelns muss immer die Expertise entsprechend zugelassener Behandler auf der Basis profunder durch ein Studium und adäquate Praxis erworbener Kenntnisse in Union mit der Anleitung durch entsprechend geschulte Fachkräfte im sicheren Rahmen einer medizinischen Einrichtung sein. BoA kann und will das nicht leisten.

Michel

Hier geht es um Eigennamen und Begrifflichkeiten, die einem dauernd um die Ohren fliegen und die gerade anfangs zu Verwirrung führen können

  • Esmarch – Der Esmarch-Handgriff oder jaw thrust dient dazu, den Atemweg frei zu machen, wenn selbiger tonusbedingt kollabiert ist. Ist also z.B. die erschlaffte Zunge Richtung Pharynxwand gerutscht, ziehen wir und zack, Luft. Wir greifen den Kiefer mit beiden Händen je links und rechts am Kieferwinkel und ziehen den Kiefer am liegenden Patienten nach vorne und oben also patientenseits ventral und kaudal, dabei heben wir die Zunge ligamentotaktisch eben wieder an. Das funktioniert bei entsprechender Vorsicht ohne jede Reklination auch am Patienten im stiff neck. Wo die HWS kein Thema ist, kann die Reklination den Effekt verbessern und das Ganze etwas weniger anstrengend machen
  • Sellick – Der Sellick-Handgriff oder Cricoiddruck gehört in die Thematik RSI und soll durch den Druck auf den Ringknorpel den Ösophagus komprimieren, um ein passives Zurückfliessen von Mageninhalt am Sedierten/ Narkotisierten vermeiden helfen. Die Diskussion um Effektivität und das Risiko von Verletzungen am Kehlkopf bei rabiatem Zugreifen und Ösophagusrupturen durch Druckanstiege beim aktiven Erbrechen haben dazu geführt, dass man den Sellick immer seltener sieht.
  • BURP – Der Rülpsanglizismus BURP steht für Backward – Upward – Rightward Pressure und ist ein Maneuver, bei dem eine zweite Person dem Intubierenden hilft, die Sicht auf die Stimmlippen in der direkten Laryngoskopie und die Bedingungen der Intubation zu verbessern, in dem sie den Kehlkopf im Bereich des Schildknorpels greift und eben mehr oder minder sanft nach hinten rechts oben drückt. Der dosierte Druck geschieht idealerweise in Absprache mit dem Laryngoskopierenden, dessen Sicht man dabei ja verbessern will.
  • chin lift – Das Anheben des Kinns im Sinne einer Reklination kann analog dem Esmarch den Atemweg frei machen. Der forcierte chin lift ist nur am Erwachsenen mit intakter HWS sinnvoll, ansonsten lieber esmarchen. Bei Kind ist der analoge Handgriff die „Schnüffelstellung“, also ein nur leichtes Anheben des Kinns. Der Hinterkopf steht bei Kindern vergleichsweise weit nach hinten, so dass sie bereits ein „eingebautes Intubationskissen“ mitbringen. Rabiates Reklinieren verlegt hier eher den Atemweg. Umgekehrt kann man bei Anteversion des Kopfes den Atemweg komprimieren und z.B. einfacher eine Magensonde in den nun durch die Nase direkter erreichbaren Oösophagus schieben. „Luftweg öffnen/ Intubieren – Reklinieren, Magensonde Kopf auf die Brust
  • Güdel – Der Güdeltubus ist ein durch den Mund eingeführtes supraglottisches Atemwegsdevice („Atemwegsschienung“), das die Zunge am Zurückfallen hindert und damit bei Oxygenation und Maskenbeatmung den Atemweg offenhält.
  • Wendel – Der Wendeltubus erlaubt ebenfalls eine verbesserte Oxygenation/ Maskenbeatmung, ist also letztlich auch ein durch die Nase eingeführtes supraglottisches Atemwegsdevice („Atemwegsschienung“), das entlang der Pharynxhinterwand den Atemweg schient und sozusagen an der zurückgefallenen Zunge vorbei belüften kann.
  • Macintosh-Spatel sind die leicht gebogenen Alltagsspatel am Laryngoskop.
  • Millerspatel sind die v.a. für kleine Kinder verwendeten geraden Spatel am Laryngoskop
  • Magilltuben sind unsere leicht gebogenen, gecufften Tuben mit den inzwischen standardmässigen zwei Öffnungen (einmal am Ende und einmal seitlich am Cuff, um bei Verlegung des ersten Lochs weiter beatmen zu können.
  • Die Magillzange ist ein Werkzeug, um z.B. bei der nasalen Intubation das Tubusende Richtung Trachea zu manövrieren oder Fremdkörper aus dem Rachen zu bergen. Dazu hat unsere Zange einen fast rechtwinkligen ‚Knick‘.
  • Das Murphyauge ist eine zweite tubusseitige Öffnung, die ein Weiterbeatmen bei Verlegung der ersten Primäröffnung am distalen Tubusende erlaubt.
  • Woodbridgetuben sind solche mit Spiralfedereinlage, die weniger wahrscheinlich abknicken.
  • Erwähnenswert wären noch die für Kinder gedachten ‚Microcuff‘-Tuben, deren Verhältnisse von Cufflage zu Tubuslänge (im Vergleich zu üblichen Tuben) sich altersabhängig ändert, so dass eine Fehllage des Cuffs in der Stimmritze mit entsprechenden Druckschäden vermieden wird.
  • Doppellumentuben und ihr Management beschreibe ich an anderer Stelle.



4 Kommentare

  1. Hallo,
    Ich bilde mir ein, dass Woodbridge-Tuben die sind, die in den Tubus eingebaute Metallspiralen besitzen, um so eine größere Biegsamkeit ohne Abknicken zu ermöglichen. Der Tubus ohne Spirale dürfte Magill-Tubus heißen.

    Egal wie, vielen Dank für die großartige, regelmäßig sehr hilfreiche Seite und einen schönen Tag!

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