Nervi accelerantes

Auffällig oft wurden in den vergangenen Tagen von euch hier die Nervi accelerantes gesucht. Zeit also, ihnen ein wenig Aufmerksamkeit zu widmen.

In Kurzform, sie sind sympathische Fasern aus Th1 – 4, die – wie der Name sagt ‚beschleunigend auf das Herz wirken – und die uns v.a. dann auffallen, wenn wir sie im Rahmen der aufsteigenden Spinalanästhesie erreichen und plätten… das führt a) zur totalen Sympatholyse (lumbal is der Vasotonus ja schon weg und nun auch die Frequenzgegenregulation!) und b) mitunter zur klinisch relevanten Bradykardie bis Asystolie.

Was tun? Parasympatholytika, denn dann fällt zumindest die hemmende Wirkung der absteigenden (via Recurrens) Vagusfasern am Vorhof weg… Atropin 0,01 mg/kg oder in Deutschland: „1 Ampulle 0,5 mg„.

Wenn wir ja nun schon mal bei der vegetativen Innervation des Herzens sind (den sensiblen Anteil ignorieren wir geflissentlich), dann machen wir doch auch weiter:

Wir erinnern uns kurz nochmal – sympathisch = thorakolumbales System, parasympathisch = kraniosakrales System. Heisst, unser sympathischer Anteil kommt segmental daher, der Parasympathilus steigt als Vagus, bzw. Recurrens aus den Hirnnervenkernen ab.

Der Sympathikus erreicht sowohl Vorhof-, als auch Ventrikelstrukturen, der Parasympathikus lediglich die Vorhofebene (Sinusknoten, Vorhofmykard und AV-Knoten).

  • Sympathikus – pankardial positiv chrono-, dromo-, ino-, bathmo- und lusitrop
  • Parasympathikus – nur Vorhöfe, v.a. negativ chrono-, dromo- und bathmotrop. Mangels Wirkung am kräftigen Ventrikelmyokard ist der inotrope Einfluss (ja nur auf die Vorhofinotropie) vernachlässigbar

So… woher kommt nun was und wie?

Der Sympathikus stammt aus den Thorakalsegmenten Th1 – Th4. Präganglionär gehts aufwärts zu den cervicalen Grenzstrangganglien, den Ganglia cervicale superior/ cervicale medius und cervicale inferior. Von dort als postganglionäre Fasern als distinkte Nervi cardiaci (cervicales) superior/ medius und inferior dorsal der Carotis abwärts zum Plexus cardiacus und zu Sinus- und AV-Knoten, Purkinjefasern und Vorhof- wie Ventrikelmyokard. Die Wirkvermittlung geschieht hier über Noradrenalin via β1-Adrenozeptoren.

Der Parasympathikus läuft ausgehend von den Hirnnervenkernen der Medulla oblongata Nucleus dorsalis nervi vagi und Nucleus ambiguus als Nervus vagus mit präganglionären Fasern mit der Carotis nach kaudal zum Plexus cardiacus. Als Rami cardiaci thoracici (aus dem Recurrens) und cervicales superior und inferior erreichen sie den Plexus cardiacus und Sinus- („von rechts“), AV-Knoten („von links“) und Vorhofmyokard. Die Umschaltung geschieht organnah in den Ganglia cardiaca. Die Wirkvermittlung erfolgt über Acetylcholin und muskarinische Acetylcholinrezeptoren.

So, schaut man sich das an, dann kann man etwas vereinfachend sagen, der Vagus „kommt von oben“, der Sympathikus aus den Organsegmenten. Steigt nun also die Spinale auf, dann schalten wir sequentiell den Sympathikus aus, während der Parasympathikus erstmal unbeeinflusst weiter aktiv bleibt, was eben in Brady- bis Asystolie resultiert.

Ein Kommentar

  1. Vielen Dank für diesen Artikel! Als Abschluss dazu lässt sich dazu dann vielleicht nach sagen, dass wir dem Herzen, dessen Sympathikotonus durch die aufgestiegene Spinalanästhesie abhanden gekommen ist, dann durchs Atropin auch nach Parasympathikotonus nehmen. Dadurch müssten wir es ja in seine Eigenfrequenz schicken, die mit Sinusknoten um die 80/min liegen sollte. D.h. in diesem Fall sollten wir theoretisch mit Atropin keine allzu hohe Tachykardie erwarten.

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