For what it is worth…

Und, ‚lohnt‘ sich der Aufwand? Ich meine jetzt ausnahmsweise mal nicht finanziell. Nein, so vom Feeling her. Ist der Job befriedigend, das Feedback positiv? Kommt dein Mehraufwand zum Tragen, wird deine Meinung gehört? Kommst du voran?

The inner pigdog of Egoverzicht und Mäßigung

Ich glaube mal, ein Großteil von uns schüttelt den Kopf, wiegt ihn vielleicht ein bisschen hin und her.

Da ist der Kollege, der subjektiv nur das Nötigste tut, im Dienst kaum erscheint aber in der Frühbesprechung haut er Details rein, von denen selbst der Aufnehmende nichts weiss. Und in der Gunst des Chefs firmiert er unter A++… „Was hat der, was ich nicht hab?“ mag man sich jahrelang fragen. Man mosert sich so durch die Assistentenzeit und bolzt Dienst um Dienst. Reitet die rotweisse Box mit dem Blaulicht drauf. Haut eine Präse nach der anderen in den FoBis raus – und wird am Ende mit dem Facharzt unehrenhaft entlassen. Vielleicht wird man auch nur zur belächelten Randerscheinung oder dem schrulligen Faktotum. Warum aber glänzen die vermeintlichen Dünnbrettbohrer oft genug? Weil sie etwas Grundlegendes verstanden haben!

In den Köpfen mancher Jungärzte lebt ein Bild des Arztberufes, das im besten Sinne als idealistisch gelten kann. Ich kam beispielsweise aus einem Arbeiterhaushalt und zugegebenermaßen hatte ich (und habe ich) mitunter eine etwas romantische Vorstellung vom Helden in Weiß nach protestantischem Bild und Arbeitstugenden. Die Idee vor allem Agent des Patientenwohls zu sein, streitbar, kritisch und schlagfertig, immer bereit und tief in Theorie und Praxis verankert – das musste doch genug sein – Nein! Hier erstmal ein Dämpfer: das mag eine nette Idee sein und zweifelsohne sind das wichtige Punkte – Karriere macht man so allein aber nicht. Eher im Gegenteil.

Wir alle dienen dem Patientenwohl. Ok, soweit klar. Der eine mehr, der andere weniger, aber grundsätzlich sollte das Ziel sein, dass der Patient hinten besser rauskommt, als er vorne rein ist oder dass zumindest eine Verschlechterung nicht durch uns bedingt sein sollte. Da fehlt aber was!

Wir sind nämlich – zumindest diejenigen, die nicht das Glück der eigenen Praxis haben – Teil eines größeren Systems und als soches mit einer Funktion betraut – das berühmte Rädchen im Getriebe! In unserer Funktion und unserem Sosein bewegen wir uns in einem sozialen Kontext, werden wahrgenommen und beurteilt. Und hier geht die eigentliche Thematik los.

Knarzt nämlich das Getriebe immer an der selben Stelle in der Peripherie des besagten Rädchens, wird man irgendwann auf die Idee kommen, das Rädchen auszutauschen, statt das Getriebe zu ersetzen. Als OA hörte ich einmal den Satz „Ich habe dich eingestellt, damit ich weniger Probleme habe. Damit du mir Dinge vom Hals hälst. Muss ich mich aber zusätzlich um deine Streitigkeiten kümmern, führst du deine Funktion ad absurdum.“ Da steckt eigentlich schon alles drin, was gesagt werden muss.

  • Aufgabe erfüllen – In der Regel gibt es eine klar umrissene Aufgabe, die du zu erfüllen hast. Dafür wirst du bezahlt. Danach wirst du beurteilt. Die tollste FoBi und der beste Simulator lenkt nicht davon ab, wenn dein outcome am Patienten nich5s taugt und andere deinen Alltagsmist aufarbeiten dürfen. Das kann eine Weile gut gehen, wenn deine Sekundärdarbietungen Prestigeinhalte sind, die die Abteilung gut dastehen lassen oder Drittmittelmagnete, in der Regel muss die Basis aber erledigt sein. Sonst schliessen sich die Reihen der Kollegen und der Chef winkt zum Abschied!
  • No hassle – Lass dein Ego daheim. Es geht nicht um dich. Und wenn – dann halt die Schnauze! Dauerscharmützel mit internen und externen Gegnern generieren Aufmerksamkeit – aber keine gute. Dein Chef will berechtigtermaßen Ruhe im Stall! Noch besser wird es, wenn du ungefragt alles kritisierst oder gar beginnst eigenmächtig zu verbessern. Das greift die mit der Aufgabe Betrauten direkt in ihren Kompetenzen an! Welcher Vorgesetzte bekommt schon gerne suggeriert, dass sein Weg Mist ist? Eben, da geht die Tür nach draußen immer weiter auf. An der Stelle ist es auch erstmal unerheblich, ob du grundlegend recht hast. Übrigens kann man sich auch mal vertun und einfach nicht verstehen, warum der eingeschlagene Weg vielleicht der optimalere ist. Demut und so… ein guter Anker ist ein Leben draussen, das hilft im Job die Backen zu halten.
  • Low profile – Du denkst, du bist irgendwo der Beste? Ein Künstler an der Tuohy? Ein Piccaso des Intubierens? Ein Gould der Regionalverfahren? Selbst wenn das stimmen sollte, was man erst mal bezweifeln darf, dann sollte man narzistische Präsentationen vor Publikum unterlassen! Ich habe mal in meiner sehr frühen Zeit bei nem DA meinem OA das Laryngoskop aus der Hand genommen und in einem Rutsch intubiert… toll für den Patienten – sch… für ihn und mich… manches Ego projeziert seine Kränkungen dauerhaft. Meinerseits war dieses Brüskieren auch wenig diplomatisch und reichlich profilneurotisch. Auch jemandem ungefragt etwas zu erklären, schafft gerade im deutschen Sprachraum in manchen Köpfen das Gefühl belehrt und damit abgewertet zu werden – das rächt sich über die Zeit.
  • Köpfchen strecken – Jetzt bist du fachlich gut. Und machst keine Welle. Dann ergeben sich Situationen, wo man dir etwas ggf. nicht so Nettes anträgt. Machen! Delegation ist ein Vertrauensbeweis! Damit kann man sich effektiv als Benefit für die Abteilung (also für die Führungsebenen) erweisen – effektiver als durch blinde Events und ungefragte ‚Verbesserungen‘! – der Punkt hier ist das Mandat – es gibt von oben gewollt etwas zu erledigen! Lorbeeren! Machen! Aber bitte: mit vollem Einsatz, nicht wegeiern. Fokus! Damit wird man zur verlässlichen und tragenden Einheit für die Abteilung (‚Was man ihm/ ihr anträgt, wird kommentarlos erledigt.“). Die ruhige Stimme der Vernunft wird auch eher mal so gehört als der ewige Nörgler.

Ich hab das leider alles ein bisserl spät kapiert… nun ja Hänschen/ Hans und das mit dem Lernen…

  • Ego daheimlassen
  • deinen Job machen
  • Fresse zu
  • keine Alleingänge
  • nach Mandat
  • für die Abteilung

Passt auf Euch auf! Bleibts g’sund!

Ich weiß, wer mich live kennt, lacht sich grad eins… hab Euch auch lieb, Buam!

Ein Kommentar

  1. nein um Gottes Willen niemals ganz die Fresse zu. Es würde sich nichts mehr entwickeln, das wäre doch fatal, danke für den Beitrag

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