Bleomycin – eine Entwarnung?

Strukturformel von Bleomycin A2
Bleomycin, wie Wikipedia es sieht

In einem früheren Artikel habe ich über Bleomycin und die Gefahr der durch hohe Sauerstoffanteile in der Inspirationsluft verursachte Induktion einer Lungenfibrose geschrieben. Aufgrund eines Patienten, dessen Erkrankung/ Operation nur eine Allgemeinanästhesie zuliess, kamen wir im Kollegenkreis ins Diskutieren und meine Chefin hat mir einen neueren Artikel ins Fach gelegt, der ein paar neue Aspekte einbringt, bzw. das Geschriebene ein wenig relativiert:

Aakre, Efem, Wilson, Kor, Eisenach – „Postoperartive Acute Respiratory Dystress Syndrome In Patients With Previous Exposure To Bleomycin“; Mayo Clin Proc. 2014 February; 89(2): 181-189. doi:10.1016/j.mayocp.2013.11.007.

Seit den 80ern wurde der niedrigste tolerable Sauerstoffanteil in der Atemluft verwandt, wenn Patienten eine Bleomycinexposititon in der Anamnese hatten, da eben Daten darauf hinwiesen, es gäbe eine gesteigerte Inzidenz für ein sauerstoffinduziertes akutes toxisches ARDS bei Bleomycinpatienten. Damit stieg das Risiko intraoperativer Hypoxien aufgrund des Handlings in Einleitung und Operation mit allen möglichen Folgen.

Beispielhaft:

Goldiner et al. – „The hazards of anaesthesia and surgery in bleomycin-treated patients.“; Semin Oncol. 1979- 6(1):121-124)

Nun, was hat man in o.g. neuerer Studie gemacht? Man hat sich das Mayokrebsregister geschnappt, und zwischen 2000 und 2012 Bleomycinexponierte bestimmt, die grössere chirurgische Eingriffe mit mindestens einer Stunde Allgemeinanästhesie über sich ergehen lassen mussten. Dann hat man sich anhand der Berlinkriterien angeschaut, ob ein ARDS innerhalb der ersten 7 Tage post operationem vorlag. Von den 316 betrachteten Patienten erlitten nur 7 ein klinisch fassbares ARDS, entsprechend 1,3% (Konfidenzintervall 0,6-2,6%). Alle waren männlich, 6 davon Raucher. Ein Todesfall wurde beschrieben. O.g. Arbeitsgruppe geht nun von einer Gesamtinzidenz für ein postoperatives bleomycininduziertes ARDS von 1,3% (CI 0,6-2,6%) verglichen mit etwa 0,2% in der Gesamtbevölkerung aus. Für den ersten Eingriff nach Exposition von 1,9% (CI 9,9-4,1%). Damit liegt die Schätzung deutlich tiefer als bisher angenommen.

Donat et al. zeigten eine Unabhängigkeit der Inzidenz von der intraoperativen FiO2 an einer grösseren Gruppe von 77 Patienten und Wuethrich et al. zeigten an 47 Patientzen, dass eine dreiminütige Präoxygenation mit FiO2 1,0 und intraoperativ im Schnitt 0,3 sicher ist. Torp zeigte dies sogar bei Patienten unter hyperbarer Sauerstofftherapie, so dass die Sauerstoffrestriktion wohl nicht mehr haltbar ist. Der Beipackzettel warnt indes weiter fleissig vor anästhesiologischer Hyperoxie…

  • Donat et al. – „Bleomycin-associated pulmonary toxicity: is perioperative oxygen restriction necessary? J Urol. 1998 – 160(4):1347-1352, PubMed:9751352
  • Wuethrich et al. – „No Perioperative Pulmonary Complications after Restricted Oxygen Exposition in Bleomycin-Treated PAtients: A Short Report, ISRN Anesthesiol. 2011:2011:3
  • Torp et al. – „Safe administration of hyperbaric oxygen after bleomycin: a case series of 15 patients. Undersea Hyperb Med. 2012; 39 (5):873-879, PubMed: 23045915



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