Ventrain®

„Es saugt und bläst der Heinzelmann, wo Mutti sonst nur saugen kann“… so liess es Loriot Herrn Jürgens, den Staubsaugervertreter zu Frau Hoppenstedt sagen, dazu ein Gläschen 75er Klöbener Krötenpfuhl…. und was mag der geneigte Leser fragen, hat das nun bitte mit Anästhesie zu tun?

Ventrain der Fa. Ventinova

Ein Wort: Ventrain®: Es saugt und bläst der Ventrain®, wo Vati sonst nur blasen kann…. und zwar bei der Jetventilation im Rahmen des Beatmungsnotfalls oder in HNO und Pulmonologie, wo wir über schmale Lumina beatmen müssen – Stichwort starre Bronchoskopie oder Tumorchirurgie am Larynx… wir erinnern uns mal eben, dass dabei die Ausatmung frei möglich sein muss, heisst die oberen Atemwege müssen trotz reduzierter laryngoskopischer Darstellbarkeit durchgängig für Luft sein (also ohne verlegenden Tumor, Ödem, o.ä.) da die Luft, die wir mit entsprechendem Druck in die Lunge pumpen, diese sonst auf anatomisch nicht vorgesehene Weise verformt oder durchdringt, vulgo es zu Barotraumata mit allen Folgen kommen kann. Wie schön wäre es da, ein Gerät zu haben, das zumindest zum Teil die Abatmung ermöglicht…

Das dachte sich die Firma Ventinova® auch und hat uns den Ventrain® für solche Patienten beschert, die wir nicht beatmen und intubieren können (CVCI – cannot ventilate – cannot intubate) und die eine höhergradige Obstruktion des oberen Atemwegstraktes aufweisen. Wenn wir mit Venüle oder Ravussinkanüle durch das Konikum kommen und eine handelsübliche transtracheale Jetventilation anschließen, dann beschert uns der Auslöser einen rechts kräftigen Luftstoß, das Abatmen geschieht (hoffentlich) passiv – anders beim Ventrain®, hier hat man die Option, die eingeblasene Luft wieder abzusaugen. Weiteres Goody ist der inzwischen mögliche druckkompensierte Flow, der konstante Tidalvolumina unabhängig von der Compliance und abhängig von der Ventilationszeit zu verabreichen in der Lage ist (im Video 15l/min über 2 Sekunden ergo 500 ml fix). Praktisch und durchdacht… ja, ein bisschen Werbung ohne, dass ich was dafür bekomme, aber es schließt eine Lücke für die Jetventilation bei Patienten mit oberer Atemwegsobstruktion! Aber nicht nur für Koniopunktionen und CVCI, auch für HNO- und Pulmonologieeingriffe lässt sich der Ventrain® – dann mit einem speziellen Tubus („Tritube“) prima verwenden.

Nur mal so als Exkurs. In vielen Airwaytürmen findet sich als Jetventilationshilfe z.B. ein VBM® Manuvent®, so auch bei uns als letzte Verteidigungslinie vor dem oxigenopriven Nirvana. Das an sich schöne Gerät erinnert nicht von ungefähr an eine Reifenluftdruckpumpe. Dort kann man z.B. Drücke von 0-3,5 bar (bar nicht mbar wie in cmH2O!) einstellen, was dann aber als Tidalvolumen rumkommt hängt sehr stark von Compliance und Resistance ab und der Staccatoflow, den man damit in aller Regel generiert ist wohl eher weniger schleimhaut- und alveolenfreundlich. Dass es da keine aktive Entlüftung gibt, ist glaub ich selbsterklärend.

Wie geht das ganze nun, also:

Wir schnappen das Teil wie nen C64 Joystick (ja,ich bin alt), die Bohne (siehe obiges Bild) liegt also mit der Convexität (also der Beule) in der Hand, den Daumen oben auf nem Loch, den Zeigefinger vorn auf dem anderen Loch, unter dem Zeigefinger läuft ein Schlauch mit Luerlock zu Ravussinkanüle, Venüle oder Tritube und damit zum Patienten und der Gaszulauf kommt von unten. Ein Flowmeter lässt sich auch noch anschliessen. So.

Über den besagten Atemgaszulauf kommen nun 15l/min Gas, meist Sauerstoff in höherer FiO2. Eine Verjüngung im Lumen beschleunigt den Gasfluss, in gerader Linie tritt dieser über das „Daumenloch“ aus.. Dieser Gasfluss gleitet über eine etwa im rechten Winkel dazu angebrachte Röhre, die in 2 Leitungen aufteilt, eine zum Patienten und eine zum „Zeigefingerloch“. Wir erinnern uns an das Venturiprinzip. An dieser Stelle entsteht ein Sog, der aus den Zuleitungen Gas ansaugen kann.

  • Daumenloch/ Zeigefingerloch zu – alle Löcher dicht, dann läuft der Gasfluss direkt in den Patienten und generiert, da ja der Flow mit z.B. 15 l/min fix ist, zeitabhängig ein Tidalvolumen (Compliance/ Druckunterschiede werden ausgeglichen), also z.B. 15 l/min über 2 Sekunden, ergo 500 ml (6 l/min entspr. 100 ml innert 1 Sekunde).
  • Öffnet man nun das Daumenloch, das Zeigefingerloch ist also noch zu, dann entweicht primär die Luft aus der Hauptrichtung, also vom Gaszulauf zum Daumenloch, beschleunigt sich dabei an der Düse und reisst Luft aus der Patientenleitung nach dem Venturiprinzip mit. Wir saugen gleichsam Luft aus dem Patienten. Eine Art forcierte Ausatmung also.
  • Öffnet man Daumenloch und Zeigefingerloch, dann ergibt sich wieder der Venturieffekt, allerdings entweicht nun Luft passiv aus dem Patienten, da dem Sog folgend v.a. Luft über das Zeigefingerloch aus der Umgebung angesaugt wird.

Feine Sache das, wenn man es parat hat und sich damit auskennt. Und wenn man es zum Beispiel in der HNO oder Pulmo nutzt. der Rest wird vermutlich bei CVCI eher zum Skalpell greifen… auch da bietet Ventinova® ein hübsches Set… so, genug der Werbung.

Nebenbemerkungen: Totraum 5 ml, single use

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