Ampress® anyone?

Ich schau mir ja immer so an, was Ihr auf der Suchfunktion zu finden versucht. Und Ampress®taucht tatsächlich häufiger auf. Oft in der Kombination „Ampress® Spinale“ oder „Ampress® Sattelblock“. Also erzählen wir ein bisschen was zu Ampress®.

Der Wirkstoff ist Chloroprocain – man höre und staune, ein Esterlokalanästhetikum. Im Hinblick auf die in Büchern viel beschworene, in der Klinik kaum mehr erlebte allergische Reaktion ein wenig verwunderlich. Aber gut, wir registrieren erstmal, im Abbau entsteht also allergisierende PABA – Paraaminobenzoesäure, also -acid.

Die übliche Zubereitung hat 1%, ergo 10 mg/ml. Spannend ist das ganze wegen seiner kurzen und relativ brauchbar einschätzbaren Wirkdauer. Die erreicht es dank der ubiquitär vorkommenden Pseudocholinesterase. Chloroprocain überlebt in der Blutbahn nur wenige Sekunden. Die Wirkdauer ist dosisabhängig im Bereich von 80-100 Minuten maximal. Warum die Diskrepanz von Sekunden zu anderthalb Stunden, nun, man muss ja auch erstmal in die Blutbahn diffundieren.

Die Wirkung ist also von der Dosierung abhängig und da die wie bei vielen Medis in der Anästhesie individuell angepasst zu erfolgen hat eine Sache der Erfahrung. Und da hakt`s bei mir – ich verwende Ampress® nicht und ehrlicherweise hab ich in den mehr als 10 Kliniken meiner Laufbahn auch nie welches in der Hand gehabt. Chroroprocain ist mir also immer nur in Büchern begegnet. Zugelassen ist es in Deutschland seit 2013, erhältlich seit 2014. Es ist isobar, was so hübsche Dinge wie den oft gesuchten Sattelblock schwierig macht. Es macht einfach einen funktionellen „cut-through“ auf Injektionshöhe (vrgl. „The Glas Spine“), bleibt also bis auf die direkt angrenzenden Segmente vor Ort.

Liest man den Beipackzettel, so ist es recht begrenzt, was die Anwendung angeht. So ist Ampress® explizit nur zur Spinalanästhesie bei Erwachsenen für Eingriffe unter 40 Minuten zugelassen“. Genauer definieren die Herrschaften einen Normalpatienten von 70 kg und lassen sich sogar über den Punktionsort aus, so sind die Segmente L2/3-L4/5 benannt.

Zu guter Letzt werden noch die Dosen definiert: max. 50 mg, entsprechend maximal 5 ml, es sei immer die niedrichst mögliche Dosis (individuell, ne?) zu wählen. Für eine Ausbreitung bis Th10 sind für 80 Minuten 4 ml, also 40 mg empfohlen, für 100 Minuten 5 ml, also 50 mg.

Nur eine Bemerkung am Rande. Solltet ihr mal einen Gynäkologen treffen, der zur Sectio Schnitt-Naht-Zeiten unter 40 Minuten zaubert, verzichtet trotzdem auf Ampress®, es ist nämlich NICHT ZUM EINSATZ IN DER SCHWANGERSCHAFT (AUCH IM RAHMEN DER SECTIO) ZUGELASSEN. Btw. besagter Gynäkologe wandert vermutlich eh grad mit dem Yeti und Elvis zu den Einhornzuchten in Atlantis… anyways.

Ampress®/ Chloroprocain taucht übrigens gern mal in Prüfungen auf. Die pKs-Tabelle findet ihr hier.

Ein Kommentar

  1. hallo, ich habe ampress ca. 4 jahre regelmäßig in der urologischen endoskopie verwendet. bei sehr hoher auslastung, vielen ambulanten eingriffen und z.t. extrem kurzen schnitt, nahtzeiten ist es eine sehr gute, vertrauenswürdige Substanz. wir haben es standardmäßig für fast jeden Patienten mit 5ml (50mg) verwendet. die wirkdauer ist sogar eher noch 10 – 20 min. kürzer als angegeben. viele grüße!

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