Bockige Nadeln und Tiefschutz

Wer kennt das nicht? Man zielt auf eine tiefgelegene Struktur und plötzlich – weil sie sich ja so gern von hinten anschleichen – liegt da eine Arterie im Weg und man will ein wenig drüber, aber egal wie sehr man auch drückt, die Nadelspitze bewegt sich runter statt rauf.

Oder auch ein Klassiker: Die Hand zittert noch vom vorabendlichen Gelage und im Bild blitzt überall die Pleura auf, die Nadel ist kaum zu sehen und der Blick eh verschwommen. Vor dem geistigen Auge, also Ohr taucht schon das Zischen der perforierten Pleura auf. Und nun?

Also. Eine lange bewegliche, also biegsame Nadel lässt sich an der Oberfläche gut steuern. Man kann sie anheben und die Spitze senkt sich oder verschieben und die Spitze folgt. Hat man allerdings das gute Stück bis zum Ansatz im Gewebe versenkt, dann wird die Steuerung auf den ersten Blick etwas kontraintuitiv. Man muss sich aber nur folgendes ins Bewusstsein rufen. Das Gewebe um den Nadelschaft dient als Hypomochlion („Umlenkrolle“) um das sich die ja biegsame Nadel herumbewegt. In unseren Köpfen haben wir also sozusagen einen Ankepunkt an dem die Nadel befestigt ist und um den sie sich herumbewegt. Was heisst das nun?

An der Oberfläche folgt die Nadel unserer Intuition der geraden Nadel und mit Anheben des Nadelendes sinkt die Nadelspitze (Oberflächlich: Gegenläufige Nadelbewegung).

In der Tiefe biegt sich die Nadel aber um einen fiktiven Umlenkpunkt, heisst: Heben wir das Nadelende an, so heben wir oft auch die Nadelspitze!!! (Tiefe: Gleichsinnige Bogenbewegung um Hypomochlion).

Für das Pleuraproblem z.B. beim supraklavikulären Plexus gibt es eine ganz einfache Lösung: Nicht Richtung Pleura stechen. Toll gell. So banal das klingt, sucht euch die erste Rippe als Zielstruktur, dann zischt`s nicht, sondern zwickt nur. Schutz in der Tiefe sozusagen… Tiefschutz eben.

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