Tryptase

Wenn sich so eine Mastzelle erregt fühlt und sich in der Folge ganz fürchterlich degranuliert, dann setzt sie u.a. ein Protein vermehrt frei: Tryptase.

Der vorgebildete Leser ahnt schon, wozu sich das ganz passabel nutzen lässt: zur Detektion einer allergischen/ anaphylaktischen Reaktion (Typ I-Reaktion, IgE-vermittelte Allergie vom Soforttyp) als Auslöser einer entsprechenden Klinik wenn die Differentialdiagnosen mal wieder etwas dichter an uns heranregneten.

Mastzellen in der Kultur, Wiki Commons

Es gibt verschiedene Genorte, die dazugehörigen Serinproteasen (denn das ist die Tryptase) werden mit griechischen Buchstaben ab alpha1 bezeichnet, was uns im Alltag eher marginal interessiert. Was uns aber tatsächlich interessiert sind Normwerte und ihre Kinetik.

Mastzellen sind ja nun im Hinblick auf die Tryptase nicht ganz dicht und verursachen deshalb einen Basalwert im Blut. Erhöht findet er sich bei Mastozytose oder Leukämien, was mit einem erhöten Risiko für anaphylaktische Reaktionen einhergeht.

Glatte Zahlen sind was schönes als Normwert, weshalb wir unsere Tryptase gern unter 10 µg/l sähen.

Spuckt uns nun also so ein Mastzellklon Tryptase in grösseren Mengen aus, wurde also eine immunologisch vermittelte Reaktion ausgelöst, so steigt die Tryptase bis zu einem peak bei 30-90 Minuten post expositionem.

Eine Abnahme zur schnellen Diagnostik tut not, denn der Zauber fällt nach etwa 6 Stunden wieder ab und das Diagnosefenster schlägt uns vor der Nase zu (die klinische HWZ beträgt etwa 2h). Innert 24 Stunden ist der Normwert in der Regel wieder erreicht.

Wann nehmen wir`s also ab, wenn wir dran denken?

Abnahme: SOFORT – nach 3-6 Stunden („peak“) – nach 24-48 Stunden (Normwertreferenz)

Und was tut`s so?

Erstmal wird die Tryptase als Vorstufe synthetisiert, dann von anderen Proteasen in die aktive Form zerlegt, die wiederum neben Histamin, Prostaglandinen und Leukotrienen in den Granula der Mastzellen gespeichert werden. Dank pH-abhängiger Aktivität und niedrigem pH in den Granula passiert hier erstmal nichts. Nach IgE-vermittelter Aktivierung „degranuliert“ die Mastzelle, schüttet die Granula also aus, mit sinkendem Umgebungs-pH und unter Mithilfe von ebenfalls freigesetztem Heparin wird die Tryptase tetramerisiert und damit aktiv. Sie spielt eine Rolle bei der Vasodilatation und der Chemotaxis von Neutrophilen und Eosinophylen, unterhält also neben der Hyperperfusion auch den zellulären Immunprozess.

Nun sitzen besagte Mastzellen am liebsten da, wo man die Umwelt am Eindringen hindern könnte, also im Gastrointestinaltrakt, den Atemwegen und in der Haut – Bingo haben wir eine typische Klinik in Bezug gesetzt: Bronchokonstriktion, Diarrhoe, Hautrötung, Schwellung und Quaddelbildung.

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