Magensonografie?

In Toronto sucht man nach neuen Anwendungen für die Sonographie im anästhesiologischen Alltag. So kann man zwischen Kaffee und Mittagspause dem fraglich nüchternen Patienten den Sektorschallkopf auf die Plautze drücken um minimalst invasiv zu entscheiden, wie gross man das Aspirationsrisiko einschätzt und ob man eine Magensonde einführen möchte. Ist der Patient nicht schwanger und mit einem BMI unter 40 gesegnet korreliert das ganze auch leidlich gut mit dem Aspirationsrisiko.

Gemessen wird das ganze in Rücken- und Rechtsseitenlage in der linken Parasagittalebene. Das Antrum ist deshalb der Ort der Wahl, weil es als distalster Magenanteil in der Regel die wenigste Luft enthält, also sonographisch gut darstellbar ist und sich zwischen Aorta, Vena cava, Pankreas und linkem Leberlappen meist gut darstellen lässt. Seine fünfschichtige Wandstruktur lässt sich mit entsprechenden Geräten diagnostisch nutzen. So folgt dem Rektus abdominis in der Tiefe die Serosa (helkl), dann als Wandschichten die Muscularis propria (dunkel), die Submucosa (hell), die Muscularis mucosae (dunkel) und eine als mucosal-luminale Trennschicht bezeichnete hyperechogene Struktur, bevor das Antrumlumen sich zeigt. Das manchmal interpolierte Colon ist oft deutlich luftgefüllt, es liegt tiefer und seine Wandstrukturen sind dünner und schlechter zu differenzieren.

Perlas et al. definieren 3 Grade der Magenfüllung. Als Mass für die Füllung des Magens wird die Darstellbarkeit des Magenantrums gewählt. Als Ausgangswert gilt beim durchschnittlichen nüchternen Patient ein Residualvolumen von etwa 100 ml (1,5 ml/kg).

  • Grad 1 – Das Antrum ist in Rücken- und Rechtsseitenlage kollabiert, der Magen also leer. [0 +/- 2 ml/kg; 0 +/- 0 ml] Man sieht eventuell nur ein 2-3 cm messendes „bull`s eye target sign“ unter dem linken Leberlappen.
  • Grad 2 – Das Antrum ist in Rückenlage kollabiert, in Rechtsseitenlage darstellbar. Perlas spricht von einem kleinen Volumen. [0,2 +/- 0,5 ml/kg; 16 +/- 36 ml]
  • Grad 3 – Das Antrum ist in Rückenlage und Rechtsseitenlage darstellbar. Perlas spricht von einem grösseren Volumen, das als nicht sicher einzustufen ist. [2,8 +/- 1,4 ml/kg; 180 +/- 83 ml]

Klare Flüssigkeit erscheint hypoechogen. Milch und visköse Flüssigkeiten zunehmend hyperechogen und feste Bestandteile letztlich weil teilweise mit Luft durchsetzt hyperechogen bis schalllimitierend. Die Wandung des Antrums lässt sich dabei aber meist gut abgrenzen.

Bei Volumina über 1,5 ml/kg und festen Bestandteilen ist das Aspirationsrisiko erhöht, also eine Magensonde einzulegen. Ob man diese nun nach Absaugen belassen will oder nicht, bleibt diskutabel.

Berechnet wird das Volumen für klare Flüssigkeiten (für Feststoffe schlecht messbar und nicht ausreichend validiert) aus der sonographischen Schnittfläche (cross sectional area CSA, also in der Praxis Tiefe x Breite) des Antrums auf Höhe der Aorta. In nichtschwangeren Patienten besteht ein linearer Zusammenhang nach der Formel:

Magenvolumen (mL) = 27.0 + 14.6 x rechtslaterale CSA (cm2) – 1.28 x Alter (Jahre) 

Interessant ist, dass mit zunehmendem Alter das Volumen abzunehmen scheint und dass es weitgehend BMI unabhängig ist.

Auf der Seite der kanadischen USRA findet ihr die Details:

http://www.usra.ca/regional-anesthesia/specific-blocks/pocus/gastric.php

>> Perlas A et al: Gastric sonography in the fastes surgical patient: a prospective destriptive study. in: Anesth Analg 2011 Jul; 113 (1):93-7.

>> Perlas A et al: Validation of a Mathematical Model for Ultrasound Asessment of Gastric Volume by Gastroscopic Examination. in: Anesth Analg 2013; 116:357-363

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Ein Kommentar

  1. Guten Morgen!
    Ich habe auf einem Kongress in London von dem Thema erstmals gehört, die haben als Ressource www. gastricultrasound.org angegeben, vielleicht einen Blick wert.
    Lg
    Michael

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