Kreisteil?

Nein, Kreisteil ist weder der neue Gyn-Oberarzt noch die hübsche Hebamme im Kreissaal, sondern vielmehr ein integraler Bestandteil unserer Narkosegeräte. Kreisteil und Kreissystem sind dabei synomym und beschreiben letztlich die baulichen Gegebenheiten eines Rückatemsystems also halbgeschlossener und geschlossener Beatmungssysteme.

Kreisteil – Aufbau

Um also eine Rezirkulation der Atemluft zu ermöglichen benötigt es zunächst einmal Ventile, die eine Trennung von Inspirations- und Expirationsschenkel erlauben. Klassischerweise handelt es sich um Glimmerplättchenventile. Dabei liegt ein ein sehr leichtes Plättchen aus Glimmer in einem durchsichtigen Dom aui der Auslaussöffnung. Bei Druckanstieg hebt sich dieses sehr leichte Plättchen – der Öffnungsdruck beträgt 0,2 mbar – und gibt den jeweiligen Gasweg frei. Dies ermöglicht einen gerichteten Gasstrom, so dass es möglich wird, die Konzentrationen der Gase in In- und Expiration getrennt zu messen und z.B. Kohlendioxid aus dem Gasgemisch zu entfernen. Zu diesem Zweck ist ein Absorber in das System eingeschaltet. Die Leitung der Atemgase erfolgt über grosslumige Faltenschläuche, die zum einen einen geringen Flusswiderstand bieten und zum anderen knicksicher sind. Anschluss am Patienten findet das System aus Inspiration und Expiration über ein Y-Stück nahe dem Tubuskonnektor. Das System enthält einen Reservoirbeutel, der zur manuellen Beatmung, zur optischen Kontrolle der Beatmung und als Reservevolumen/ Ausgleichsbehälter dient. Klassischerweis gehört zum Aufbau eines Kreisteils ein Richtungs- bzw. Überdruckventil. In modernen Anwendungen liegt an seiner Stelle das APL-Ventil (Adjustable Pressure Level), es regelt nur noch den Druck unter Spontanatmung, bzw. manueller Beatmung und wird bauseitig bei maschineller Beatmung ausgeschaltet.

Diese Richtungsventil erlaubt letztlich 3 Stellungen für maschinelle Beatmung (Mittelstellung des Wahlhebels), manuelle Beatmung (Stellung nach oben, bzw. zum Ventilwahlknopf) und „offene“ Einstellung für Spontanatmung (Wahlhebel zur Atemgasabsaugung).

„Offen“ oder „aus“ bedeutet dabei, Expirationsgas wird mit Frischgas durchmischt, strömt zur Atemgasabsaugung und zum kleineren Teil in das Reservoir. Bei Inspiration strömt es aus dem Reservoir , durchmischt sich mit Frischgas und tritt nach Absorbtion von Kohlendioxid wieder als Inspirationsgas in den Patienten ein. Das heisst, höhere Frischgasflüsse sind notendig um das Reservoir zu füllen und es findet nur eine geringe Rückatmung in Abhängigkeit vom Frischgasfluss statt.

„Geschlossene Stellung“ oder „Druckeinstellung“ bedeutet, das Expirationsgas durchmischt sich mit Frischgas, füllt das Reservoir und tritt durch manuelle Betätigung des Reservoirbeutels und erneuter Durchmischung mit Frischgas wieder nach Absorption als Inspirationsgas ein. Übersteigt der Druck den eingestellten Druck, so wird er via Ventileinstellung abgelassen. Analog bei der maschinellen Beatmung. Das bedeutet also einen grossen Rezirkulationsanteil in der Beatmung.

Atemgaszufuhr erfolgt regulär über den Frischgaszulauf. Der Vapor wird in der Regel vor dem Kreisteil integriert, um eine konstante Beimischung zu ermöglichen, die inspiratorische Konzentration von Sauerstoff und Volatilum ergibt sich jedoch durch die Mischung mit dem in Patient und Maschine stehenden Gasvolumen. Die am Frischgasventil eingestellte Konzentration an Sauerstoff und die am Vapor eingestellte Konzentration an Narkosegas ist also vor allem initial höher als die inspiratorisch angebotene (im steady state erst weitgehend identisch)! Ein Einschalten des Vapors in das Kreisteil würde bei geringen Frischgasflüssen eine Rezirkulation von gasbeladenem Atemgas bedeuten und so einen Konzentrationsanstieg über den eingestellten Anteil möglich machen.

Ein Sauerstoffflush erlaubt das Spülen des Systems mit reinem Sauerstoff in Notfallsituationen. Um Volatilabelastung und unkontrollierten Konzentrationsanstieg zu vermeiden befindet sich dieser hinter dem Vapor.

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