Seitendifferente Spinalanästhesie

Irgendwie liest und hört man immer mal wieder davon und keiner macht`s… warum eigentlich nicht?

Man denke mal ein wenig (patho-)physiologisch und frage sich, ob es einen Unterschied machen könnte, die Spinalanästhesie zu lateralisieren. Nun, primär dürfte einmal mehr (analog dem Sattelblock) die Sympathikolyse geringer ausfallen. Damit wäre bei unilateraler Spinalanästhesie für Eingriffe an Hüfte, Knie, Ober- und Unterschenkel, so wie Fuss mit grösserer hämodynamischer Stabilität zu rechnen. Blasenfunktionsstörungen, v.a. im Sinne des akuten Harnverhaltes sollten aufgrund der teilweise erhaltenen para-/sympathischen Ansteuerung geringer ausfallen. Da weniger Volumen notwendig ist, also die Dosis an LA geringer ausfällt, ist darüberhinaus mit einer zügigeren Rückbildung und früheren Mobilisierbarkeit im Hinblick auf ambulante Eingriffe zu rechnen. Für streng einseitige Eingriffe also ein möglicherweise vorteilhaftes Verfahren, wenn die Lagerung (gerade bei Hüften in Seitlage etwas schwierig aufgrund der Abstützung am Schambein) es zulässt.

Die üblichen Kontraindikationen sollten denen der Spinalanästhesie gleichen, ebenso das Vorgehen hinsichtlich der Sterilität.

Die Anlage erfolgt in Seitenlage. Die zu operierende Seite liegt unten, um ein Absinken des hyperbaren Lokalanästhetikums zu ermöglichen. Die Punktion erfolgt loco typico. Um eine weitere Ausbreitung als gewünscht zu vermeiden, wird langsam und kontinuierlich ohne Barbotage injiziert. Die Kanülenöffnung sollte zur OP-Seite orientiert sein um „spilling“ zur falschen Seite zu reduzieren. Aus theoretischen Überlegungen hinsichtlich des Volumens sollten z.B. 1,5-2 ml hyperbares Bupivacain 0,5% genügen. Für Fuss- oder Knieeingriffe sollten bereits um 1 ml 0,5% Bupivacain ausreichen. Nach Injektion verbleibt der Patient dann für die Anschlagszeit von 5-15 Minuten in Seitenlage.

„Gibt`s da nu Evidenz zu?“ mag man sich fragen: Ja, gibt es. Ich verweise auf den u.g. Übersichtsartikel von Büttner aus dem Anästhesisten von 2016. Explizit wird hier die Dosierung für Zeit und Ausdehnung angesprochen:

Bubivacain 0,5% hyperbar

  • 5 mg/ 1 ml – 1h bis Th12
  • 7,5-10 mg/ 1,5-2 ml – bis Th6
  • additiv Clonidin 0,5-1 mcg/kg verlängert die Blockade bis zu 2-3 Stunden

Büttner B, Mansur A, Bauer M, Hinz J, Bergmann I – Unilateral spinal anesthesia: Literature review and recommendations. – Anaesthesist 2016 Nov; 65(11): 847-865

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