Alltagsmythen Strahlenbelastung

20180905_084851Heute früh lief ich durch die Ambulanz und hörte im Vorbeilaufen ein Gespräch zum Thema Strahlenbelastung mit. Die Patientin sorgte sich um die Strahlenbelastung beim CT Abdomen und erhielt als Antwort, der letzte Urlaubsflug habe ihr viel mehr Strahlung verpasst. Das höre ich nicht zum ersten Mal, aber stimmt das denn?

Die Strahlendosis wird in Sievert gemessen, dabei ist ein Sievert eine Belastung von 1 Joule pro kg. Je nach Strahlungsart und Wirkort kommen hier Gewichtungsfaktoren zur Anwendung. Auch die Einheit Gray berechnet sich als Joule pro Kilogramm, dann allerdings ohne Einbeziehung der Gewichtungsfaktoren. Im Bereich der diagnostischen Strahlenanwendung, vulgo des Röntgens braucht man diese Korrektur nicht. 1 Sv, bzw 1 Gy sind recht hohe Dosen, Symptome der Strahlenkrankheit treten ab etwa 1 Gy auf. Im Alltag begegnen wir eher mSv.

Die durchschnittliche effektive Dosis durch Hintergrundstrahlung, Radonbelastung, etc.  in Deutschland pro Jahr und Person beträgt etwa 2,1 mSv.

In der Diagnostik beträgt die Belastung für ein Thoraxröntgen etwa 0,1-0,3 mSv, ein CT Abdomen schlägt mit 2-20 mSv zu Buche, ein CT Thorax mit etwa 4-7 mSv.

Nun betrachten wir den erwähnten Urlaubsflug. Ein 10-stündiger Transkontinentalflug bringt etwa eine Dosis von 0,1 mSv.

Kurzerhand entspricht die Belastung eines 10-Stundenfluges etwa der Größenordnung eines konventionellen Thoraxbildes, ein CT bewegt sich im Vergleich dazu also bei einer u.U. 100 mal so hohen Dosis!

Nebenbei bemerkt ist die biologische Wirkung zeitabhängig, bzw. Abhängig von der Dosis über die Zeit, die Strahlung des CT über wenige (Milli)Sekunden ist ungleich schädigender als dieselbe Dosis über Jahre verteilt.

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