AKS, Eigenkontrolle und DCT…. alltägliche Begriffsverwirrung  

Fordern wir präoperativ Blut an, so wird bei uns BG/AKS und die Zahl gewünschter Erys angekreuzt. Zurück kommt im EDV-Labor folgende Befundliste:

  • AB0 – z.B. 0
  • Rh pos/ rh neg
  • AKS neg/ pos
  • DCT neg/pos
    • ctl pos/neg
    • C3d pos/neg
    • DCT2 pos/neg
    • DCT1 pos/neg
    • IgG pos/neg

Aber was heisst das alles? Und was fang ich damit an, wenn alles oder manches positiv ist?

Gel

Über das AB0-System und den Rhesusfaktor will ich mich hier nicht auslassen, das sollte jedem hinlänglich ad nauseam bekannt sein. (Siehe auch EK, TK, FFP – Kompatibilitäten in Kürze).

Aber DCT? DCT steht für den Direkten CoombsTest… die Mutter der Verwirrung im Transfusionsalltag des Nichttransfusionsmediziners… also:

DCT – Direkter Coombs-Test

DCTDas Coombs-Reagens besteht aus agglutinierenden Antikörpern (aus Kaninchenblut) gegen gebundene humane IgG. Als positiver Befund gilt die Bildung von Komplexen aus Coombs-AK und den mit nicht agglutinierenden IgG beladenen Erythrozyten.  (Deshalb auch direkter Antihumanglobulin-Test/ dAHG)  In freier Lösung kommt es zu Präzipitaten oder Antigen-Antikörper-Ery-Komplexen. Auf den gängigen Gelkarten wandert der Ansatz nicht bis zum Boden der Küvette – die Komplexe „verfangen“ sich sozusagen im Netzwerk des Gels.

Image-4004

‚Direkt‘ weil der Test ohne weitere Zwischenschritte durch Zugabe des Coombsserums mit inkompletten Antikörpern beladene Erythrozyten nachweist. Man gibt also Coombsreagens zu gewaschenen Patientenerythrozyten aus EDTA- oder Citratblut (weil darin keine unspezifische IgG/Komplementbindung wie in Vollblut stattfindet).

DCT+ heisst also: Es gibt an Erys gebundene Antikörper zunächst unklarer Spezifität (dies können sowohl Auto- als auch Alloantikörper sein!). Im relevanten Nachweisfall wird eluiert, also die Antikörper von den Erythrozyten getrennt und nach ihrer Spezifität differenziert. Typischerweise finden wir autoimmunhämolytisch wirkende Wärme- oder Kälteantikörper (oft ohne klinische Relevanz), Alloantikörper (IgG) der Mutter gegen fötale Erythrozyten beim Morbus hämolyticus neonatorum oder transfusionsrelevante Alloantikörper gegen Fremdblut bei vorausgegangenen Transfusionen.

Nebenbei bemerkt ist ein gewisses Maß an AK- oder Komplementbeladung physiologisch (<100 IgG/Ery, <500 C3d/ Ery), bei Erkrankungen mit erhöhten Ig-Spiegeln (Morbus Waldenström, Plasmozytom,…) oder unter AK-Therapie, so wie unter bestimmten Medikamenten (z.B. versch. Antibiotika wie Cephalosporine, Schmerzmittel wie Novalgin oder Ibuprofen, Furosemid…) kommt es zu einer vermehrten teils unspezifischen AK-Anlagerung mit positivem DCT!

Den Nachweis von Antikörpern im Serum führen wir mittels des indirekten Coombstests.

ICT

Indirekt, weil nun ein Zwischenschritt notwendig ist, bevor wir Coombs-Serum hinzufügen können. Es wird also im ersten Schritt Patientenserum mit Testerythrozyten inkubiert. Existieren im Patientenserum Antikörper gegen Erythrozytenantigene, so binden sie an diese. Fügen wir nun in Schritt zwei  Coombsserum hinzu, so kommt es erneut analog dem DCT über die Bindung der fixierten IgG zur Komplexbildung. Bei positivem Nachweis erfolgt nun ggf. die weitere Differenzierung der Serum-AK nach Spezifität. Der ICT ist also der AKS, Antikörpersuchtest unserer Laboranforderung. AKS+ heißt, es finden sich im Serum des Patienten Antikörper zunächst unklarer Spezifität gegen Erythrozytenantigene. (dies können sowohl Auto- als auch Alloantikörper sein!)

Finden wir nun also einen positiven AKS oder DCT ist eine Frage zentral:

Wurde in den letzten 3 Monaten transfundiert? 1-2 Wochen nach Transfusion werden Alloantikörper nachgewiesen. Bei Boosterung bereits nach 2-7 Tagen. Nach 3 Monaten ohne Boost fallen diese wieder ab. Wird ein Antikörper ohne anamnestische Information nachgewiesen, ist es nicht möglich, zwischen Autoantikörper  und Alloantikörper zu differenzieren. Ebenso innerhalb eines 3-Monatszeitraumes nach Transfusion. Reaktive Antikörper egal welcher Art müssen differenziert werden, um eine Transfusionsreaktion durch unpassende Konserven zu vermeiden, meist sind Autoantikörper aber nichthämolytische, unspezifische Wärme- oder Kälteantikörper ohne klinische Relevanz.

In der Eigenkontrolle reagiert Patientenblut mit Patientenserum. Positiv heisst hier besteht eine Reaktion von im Serum enthaltenen Antikörpern gegen Eigenerythrozyten, z.B. bei Autoimmunerkrankungen. Die Eigenkontrolle dient dem Abgleich.

Der Nachweis aktivierter Komplementkomplexe auf Erythrozyten ist sensitiver als der Nachweis freier Antikörper oder des DCT. In der Frühphase einer immunologischen Boosterreaktion sind u.U. bereits alle Antikörper an Antigen gebunden, der Serumnachweis mißlingt, die anhängige Komplementkaskade potenziert die Reaktion und macht ggf. früher einen Nachweis möglich. Auch geringe IgG-Bindung bei niederen Titern kann dem direkten IgG-Nachweis entgehen (AKS+, C3d+, IgG-)

Der spezifische Nachweis von IgG erlaubt den Schluss auf eine immunologisch getriggerte Reaktion und dient als Gegentest.

Also nochmal

Vor OP: AKS+/ DCT+?

Transfundiert innert 3 Monaten?

  • Ja: V.a. Allo-AK: Spezifizieren, ggf. passende EK anfordern und kreuzen lassen, mit OP zuwarten bis diese vorliegen!
  • Sind IgG und C3d negativ muss nicht spezifiziert werden.
  • Im Serum (nach AKS+, DCT-) kann bei IgG- und C3d+ die Elution unterbleiben. Die Konzentration an IgG ist zu gering für eine Spezifizierung.

Kleine Info am Rande, viele alltägliche Medikamente führen zu einem unspezifisch positiven DCT. So z.B. Antibiotika wie Cephalosporine, Analgetika wie Ibuprofen oder Novalgin oder alpha-Methyldopa (bis zu 20%!).

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Ein Kommentar

  1. tolle Übersicht zu dieser auf den ersten Blick etwas unübersichtlichen Thematik! Mit viel Liebe zum relevanten Detail wird hier das wesentliche Wissen auch mit prägnanten Fotos untermauert. Vielen Dank !

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