Präoxygenation?

Die Präoxygenation schafft uns einen Sicherheitsvorrat an Sauerstoff, so dass – sollte die Intubation unerwartet länger dauern – nicht sofort die Sättigung fällt und unser Patient eventuell sogar neurologisch Schaden nimmt.

Doch wie? Nun, Luft besteht aus verschiedenen Gasen… u.a. im wesentlichen 78% Stickstoff und 21 % Sauerstoff, so auch mit leichten Abweichungen (hinsichtlich Wasserdampfdruck, CO2 und O2) das Gasgemisch in den Lungen.

Zu den Volumina der Lunge, die man kennen sollte, zählt die funktionelle Residualkapazität FRC. Definiert ist sie als das Volumen, welches nach normaler, nicht forcierter Ausatmung noch in der Lunge verbleibt. Rechnerisch wird sie beim Erwachsenen mit etwa 35 ml/kg angegeben. Bei Otto Normalverbraucher mit 75 kg ergeben sich also etwa 2,6 Liter.

Das Stichwort für die Präoxygenation ist Denitrifizierung, also das Auswaschen des Stickstoffs aus besagten 2,6 Litern FRC mit Sauerstoff, die Schaffung eines Sauerstoffdepots. Dazu ist der dichte Sitz der Maske unerlässlich, da bereits ein einzelner Raumluftatemzug wegen des hohen Stickstoffanteils das Ergebnis deutlich verschlechtert. Über die Zahl notwendiger Atemzüge darf man streiten, mir genügen 3 bis 5 tiefe Atemzüge mit dichter Maske.

Führt man sich nun vor Augen, dass der Sauerstoffbedarf in Ruhe etwa 3,5 ml/kg/min beträgt, so schafft uns der Sauerstoffvorrat in der FRC im Idealfall ein Zeitpolster von etwa 10 Minuten (3,5 ml/kg/min x 75 kg ergibt knapp 260 ml/ min, damit reichen die 2,6 Liter FRC für 10 Minuten).

So erklärt sich nun auch die geringere Apnoetoleranz von Adipösen (geringere FRC durch den Druck der Bauchwand und erhöhte Atelektasenneigung), Schwangeren (geringere FRC durch den von unten drückenden Uterus und erhöhter Bedarf) und Kindern (kleine FRC, deutlich höherer Bedarf).

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