Abdominelles was? Das abdominelle Kompartmentsyndrom.

Während man bei Extremitätenfrakturen und Überrolltraumen u.ä. schnell an die ggf. notwendige Kompartmentspaltung denkt, vergisst man die analoge Problematik an anderer Stelle gern. Letztlich ist der effektive Perfusionsdruck ein Ergebnis des Zusammenspiels von aktuellem mittlerem Blutdruck (MAD) und Umgebungsdruck. Das Prinzip sehen wir am Unterschenkel genauso umgesetzt, wie beim retinalen oder cerebralen Perfusionsdruck. An den Hirndruck oder das Glaukom denken wir aber eher als an das abdominelle Kompartmentsyndrom.

Es gilt analog zum Vorgesagten: APD=MAD-IAD

der normale intraabdominelle Druck (IAD) liegt bei 5 mmHg mit Abhängigkeit von Atemzyklus, BMI und Rumpfwanddicke. Posttraumatische Ödemeinlagerung, Operationen, exzessive Volumentherapie, Nierenversagen können zu einem kritischen Anstieg des IAD führen. Ab einem IAD von 12 mmHg oder einem Perfusionsdruck unter 60 mmHg spricht man von abdomineller Hypertension, ab einer dauerhaften IAD-Erhöhung von mehr als 20 mmHg mit neu aufgetretener Organdysfunktion (meist renal, Diureseverlust ist ein unspezifisches aber frühes Warnsymptom!) von abdominellem Kompartmentsyndrom. Hier besteht aufgrund der hohen Letalität (bis 60%!) chirurgischer Dekompressionsbedarf! Aufgrund der druckbedingten Minderperfusion kommt es zu Organdysfunktionen, ischämischer Hepatopathie, (prä)renalem Nierenversagen, Darmwandschädigung mit Durchwanderungsperitonitis, u.ä..

Die beste Therapie ist bereits daran zu denken! Entsprechende Risikoeingriffe (Eventeration, ausgedehnte Adhäsiolyse, schwere Peritonitis) und adipöse Patienten, die ein unklares Nieren- oder Leberversagen zeigen sollten an die Blasendruckmessung denken lassen. Dieses wenig invasive Verfahren über den liegenden Blasenkatheter kann hier outcome-entscheidend sein!

Die  Blase wird geleert, der abführende Katheter abgeklemmt, ein Probevolumen von 25 bis 50 ml wird über die Probenentnahmeleitung zugeführt und der Druck mittels Druckwandler ermittelt (z.B. blaue Leitung eines arteriellen Druckwandlers). Gemessen wird endexpiratorisch in Rückenlage. Nach Instillieren der Probemenge 1 Minute warten, bis etwaige Detrusoraktivität zum Erliegen kommt.

Therapeutisch ist neben der chirurgischen Dekompression an Diuretika, Flüssigkeitsrestriktion, Reduktion der Beatmungsdrücke, ggf. Aszitespunktion, Anhebung des MAD (Vasopressoren!) und gastrale/rektale Ableitung zu denken.

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