Eine Form ambulanter TIVA – Betrachtungen…

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Ich stolperte unlängst in einem nordbadischen Regelversorger über eine Mischspritze mit Propofol und Remifentanil, die dort im ambulanten OP, resp. urologischen Eingriffsraum zur Anwendung kam, weil dort aufgrund auch baulicher Gegebenheiten keine Volatila nutzbar waren.

Die Einleitung erfolgte mit 0,1 mg Fentanyl und 1-2 mg/kg Propofol, also in durchaus üblichen Dosierungen.

Die Perfusormischung in 50 ml bestand aus Propofol 1% mit einem Zusatz von 1 mg Remifentanil.

Typischerweise lief der Perfusor zwischen 20 und 30 ml/h.

Es ergeben sich also folgende Dosen/ Raten:

Für Propofol 1% beträgt die Dosis bei einer Laufrate von 25 ml/h 250 mg/h und auf 70 kg bezogen etwa 3,5 mg/kg/h.

1 mg Ultiva/50 ml entspricht 20 mcg/ml, also bei 25 ml/h 0,5 mg/h oder bei 70 kg Körpergewicht 0,11 mcg/kg/min.

Rein rechnerisch würde ich eine 2%-Mischung favorisieren, da mit 1% beim Normalgewichtigen gerade Sedierungsniveau erreicht wird. Hinsichtlich der Remifentanildosierung dürfte für wenig bis moderat schmerzhafte Eingriffe eine ausreichende Analgesie gegeben sein.

Klinisch hat mich das ganze überzeugt, strittig ist insgesamt weniger die Verwendung zweier gut steuerbarer Medikamente als vielmehr die fixe Mischung. Was die Nebenwirkungen angeht, kam es v.a. initial häufiger zu Bradykardien, denen gerade beim ASA >II Patienten und bei Älteren mit Atropin begegnet wurde. Auch kurze initiale Hypotonien liessen sich in der Regel mit Ephedrin gut kupieren. Sehr schön sind die sehr kurzen Aufwachzeiten von oft um oder unter 3 Minuten. Schwierig wird das ganze wenn fortgesetzte Atemtätigkeit oder auch ausgeprägte Kreislaufreaktionen hinzukommen, für gesunde, normovoläme Patienten mit kleineren ambulanten Eingriffen scheint das ganze aber ein einfaches und recht probates Vorgehen zu sein.

Hinweisen muss man jedoch auf streng aseptisches Arbeiten und schnellen Verbrauch der Lösung, da nach wie vor Propofol aufgrund seiner Zusammensetzung leicht bakteriell besiedelt wird.

 

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