Prämed I: Anxiolyse

Unter Prämedikation wird oft genug die medikamentöse Anxiolyse verstanden.

Anxiolytische Massnahmen im weiteren Sinne gehen über die ‚Scheissegal-Tablette jedoch weit hinaus. Was gilt es also zur suffizienten Anxiolyse zu beachten?

1) Aufklärung

Eine suffiziente Aufklärung zu den realistischen Risiken schafft Vertrauen und reduziert signifikant die subjektiv empfundene Angst. Ein souveräner Aufklärender gibt das Gefühl ’sicher‘ und ‚in guten Händen‘ zu sein.

2) Empathie – Mensch sein, die Würde des Patienten wahren, Verständnis zeigen.

Empathie drückt sich in vielem aus, wir achten auf den adäquaten Umgangston, stellen uns vor, lächeln und bemühen uns zumindest um Souveränität, gehen soweit möglich auf den Patienten ein. Dazu gehört auch gut sichtbar von der Seite zu sprechen, nicht vom Kopf aus. Mundschutz zumindest kurz lüften – Gesicht zeigen! Den Oberarzt dazuzurufen wirkt kompetenter als offensichtliche zerfahrene Unsicherheit. Das beste Anxiolytikum ist das vertrauensvolle Gegenüber. Und dieses ist kompetent, ruhig und freundlich zugewandt.

3) Medikamente zur präoperativen Anxiolyse:

KI zur Sedierung:

  • der nicht nüchterne Patient (Aspirationsgefahr) [wenn auf Normalstation ohne Überwachung !]
  • morbide Adipositas und obstruktives Schlafapnoesyndrom (Hypoventilations-/Hypoxiegefahr)
  • Myasthenien/ Myopathien (Muskelschwäche mit Hypoventilation)
  • Schwere COPD (Hypoventilations-/Hypoxiegefahr

Erwachsene: (beispielhaft)

  • Midazolam 7,5-15 mg p.o.: Lieblingsbenzodiazepin der Anästhesisten, kurzwirksam und halbwegs gut steuerbar. Über 80 Jahre sollte man eher auf Atosil o.ä. ausweichen, wegen drohender paradoxer Reaktionen. Im OP mg-weise bis zu beginnender Sedierung.
  • Promethazin (Atosil) 25 mg p.o.– Neuroleptikum, kaum Kreislaufreaktionen, wenig atemdepressiv, über 80 Jahren, nicht bei Mb. Parkinson (Dopaminantagonist!)
  • Lorazepam (Tavor) 0,5-2,5 mg expidet – länger wirksam als Midazolam, als Expidetform jedoch ggf. besser zuverabreichen.
  • Tranxilium 10-20 mg p.o.
  • Clonidin 75-150 mg p.o.: zentraler alpha2-Agonist, sympatholytisch, sedierend, KI: Bradykardie < 60/min, AV-Block, Hypotonieneigung

Kinder:

  • Unter 6 Monaten KEINE Sedierung!
  • Midazolam nasal: 0,3-0,5 mg/kg via MAD (mucosal atomizer device), max. 2 ml pro Gabe!
  • Midazolam rektal (<7. LJ): 0,75 mg/kg Lsg max 15 mg
  • Midazolam oral (>7.LJ): ‚Sirup‘ – 0,5-0,75 mg/kg bis max. 15 mg, ab 30-40 kg 7,5 mg Tablette p.o.

Zur Prämedikation für Kinder gehört ausserdem die topische Analgesie mit EMLA– Crème an der geplanten Punktionsstelle der Viggo. 60-90 min vor Punktion aufgebracht und 10-20 min vorher wieder entfernt (sonst Vasokonstriktion!). Ehrlich sein! Kinder nicht anlügen. „Es kann kurz pieksen!“

Auch sind (geeignete) Eltern eine große Hilfe. Ggf. kann ein Elternteil bis mit in den OP. Eine andere Möglichkeit ist eine niedrigdosierte Basissedierung mit Propofol in der Schleuse, wenn das Kind nüchtern ist, eine Überwachung (SiO2!) möglich ist und im OP nur kurze Wege zu bewältigen sind. Diese Technik gehört in die Hand des erfahrenen (!) Kinderanästhesisten!20171230_140257-1

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