Tranexamsäure bei Operationen an tPA – reichen Organen

Bei Operationen an tPA-reichen Organen (tPA – tissue Plasminogenaktivator, also Gewebethromboplastin) sollte man frühzeitig an die Möglichkeit einer Hyperfibrinolyse denken.

Verabreicht werden 1-2g Tranexamsäure oder Cyclokapron. Dies entspricht einer Dosierung von 15-20 mg/kg. Ggf. kann eine anschliessende kontinuierliche Gabe erwogen werden.

Vorsicht ist geboten bei Patienten mit Lungenembolie- oder Thromboseanamnese, bei Epilepsie und bei Z.n. Stents innerhalb der ersten 6-12 Monate.

tPA-reiche Organe:

  • Pulmo
  • Pankreas
  • Prostata
  • Uterus
  • Blase
  • Gehirn
  • Nebenniere

tPA aktiviert direkt (als Serinprotease) Plasminogen zu Plasmin. Selbiges bindet an Fibrin(ogen) und spaltet dieses.

Tranexamsäure blockiert die Lysinbindungsstelle des Plasminogens für Fibrin. Dadurch kann keine Fibrinbindung erfolgen, die zur Bindung des Plasminogenaktivators nötige Konformationsänderung findet nicht statt, es kommt nicht zur Aktivierung, die Fibrinolyse bleibt aus. Gerade in der Geburtshilfe (Sectio!), Urologie (Prostata!) und Neurochirurgie muss man bei diffusen Blutungen früh hellhörig werden.




3 Kommentare

  1. Der FWWA (Feld Wald und Wiesen Anästhesist) hätte da mal eine Frage zum WMIE ( Wie macht ihr es?):

    Meist bei Blutung, manchmal prophylaktisch, besonders im Orthopädie Kontext will der Operateur Tranexamsäure.

    Tranexamsäure ist kein Hämosthyptikum, sondern kann nur bei Fibrinolyse helfen.

    Knochen ist wohl keine TPA reiches Gewebe, trotzdem scheint Tranexamsäure auch prophylaktisch bei TEP (Endoprothetik) zu wirken. Bei GI (Ulcusblutung) aber nicht. Bei traumatisch ICB (Intracerebrale Blutung) scheint die Anwendung sinnvoll, bei sponntaner ICB nicht. (Keine wissenschaftliche geprüfte Aussage, Zusammeschau verschiedener Artikel). Anwendung bei Trauma ist Standard (Crash Studie).

    Wendet Ihr Tranexamsäure bei orthopädischen Blutungen primär an?

    Was seht Ihr als Kontraindikation zur Prophylaxe an? Orthopädie hat ein hohes Risiko an Thromboembolie.

    Bei Blutung wäre da nicht Desmopressin ein sinvolles Hämosthyptikum?  Thrombozyten Störung durch Aspirin bei Kopfschmerzen und Von Willebrandt Faktor Mangel scheinen mir häufiger als Hyperfibrinolyse, besonders am Anfang der OP und gleichzeitig Blutung. Nach Schock natürlich anders. Auch Neurochirurgen wünschen sich das immer öfter bei ICB. Wer gibt bei Blutung Desmopressin auch ohne Aspirin Anamnese und PFA/Multiplate Test, also blind?

    Ich würde mich um Input freuen

    • Hoi Stefan, also… Hirngewebe enthält reichlich tPA, insofern ja, TXA geben… die akute ICB ist ja meist weniger Gerinnungs- als vasopathisches bzw. hypertensives Problem, also eher zurückhaltend. Die akute Ulcusblutung aus einem Gefässstumpf mit entsprechendem Druck reagiert besser auf den Clip oder das Unterspritzen, auch hier meist kein Gerinnungs-/Hyperfibrinolyseproblem, ausser beim Zirrhotiker… die grossen Wundflächen der Orthopädie bei Hüften und im Trauma wiederum bedingen eine Hyperfibrinolyse, ergo profitieren wir wieder von der TXA… in der Gyn übrigens wie beim Hirn finden wir im Uterus wieder reichlich tPA… Desmopressin/Minirin kann sinnvoll sein, gerade in der Massenblutung mit Thrombomangel hilft ggf. das Depooling und die Aktivierung… blind und ohne pathophysiologischen Grund würde ich es nicht geben, nein… der blutende Aspirinpatient oder bestimmte vWJS-Patienten, klar, gern… FWWA-Grüsse 😀

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