Der kriegt sein Fett weg… NF-Therapie der LA-Intoxikation

Der Block sitzt so leidlich, plötzlich gibt der Patient Unwohlsein an, nen komischen Geschmack auf der Zunge und fängt unvermittelt an zu krampfen, gefolgt von einer Bradykardie mit einzelnen VES-Salven…

Nicht nur durch Fehlinjektion in Gefäße auch durch Injektion geeigneter Mengen an Lokalanästhetika kann es in resorptionsfreudigen Arealen schnell zu toxischen LA-Konzentrationen kommen.

Klinik der LA-Intoxikation:
I Prodromalstadium
periorale Taubheit, Geschmacksirritationen
II präkonvulsives Stadium
Tremor, Tinnitus, Nystagmus, Somnolenz
III konvulsives Stadium
gen. tonisch-klonische Anfälle
IV ZNS-Depression
Koma, Apnoe, Kreislaufkollaps

Parallel dazu kann sich kardial eine zunehmende Dysrhythmie bis Asystolie entwickeln.
Je nach Substanz ist das Dosisverhältnis bei dem eine Neurologie auftritt zur Dosis bei kardialen Ereignissen als CC/CNS-Ratio definiert:
Verhältnis der Plasmaspiegel bei Auftreten früher zentraler Symptome (CNS) zu denen bei potentiell letalen kardialen Komplikationen (CC), d.h. je niedriger der CCI, desto früher treten kardiale NW nach Prodromalsymptomen auf. [Lidocain 7,1 vs. Ropivacain 2,2/Bupivacain 2,0]

WAS TUN?

1 – Zufuhr stoppen
Lokalanästhetikazufuhr stoppen, Katheter entfernen

2 – FiO2 100%
ggf. Atemweg sichern/ Intubation,
Hypoxie/ Hypoventilation/ Azidose vermeiden (ion trapping – nur ungeladene Teichen diffundieren aus der Zelle!)

3 – CPR
bei Asystolie lange (!) Reanimationszeiten > 60 min, ‚fast in slow out‘, v.a. bei Ropivacain/ Bupivacain (Affinität zum Reizleitungssystem!)
ggf. extrakorporeale Zirkulation erwägen

4 – Lipidemulsion 20% (LipidRescue®)
initial Bolus 1,5 ml/kg/min
kont. 0,1-0,5 ml/kg/min über 30 min
Lipide binden ungeladene LA und entziehen sie dem Wirkzugang.

5 – ggf. Antikonvulsiva
Diazepam (Valium®) 5-10 mg i.v./i.m./rect., alle 10 min, max. 30 mg
Midazolam (Dormicum®) 2-10 mg i.v., dann 0,03-0,2 mg/kg/h
ggf. Thiopental (Trapanal®) init. 5 mg/kg, dann ca. 500mg/h unter EEG-Kontrolle (´burst suppression`)

(ggf. HF-Senkung (Bindung an aktive, repetitiv erregte Na+-Kanäle!), z.B. Metoprolol 1 mg rep. i.v.)

Hilfe holen – Ruhe bewahren!

Anästh Intensivmed 2009:50:698-702 – Empfehlung zur Lipidbehandlung bei der Intoxikation mit Lokalanästhetika

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